Eine legendäre Pressekonferenz war das. Auf der Funkausstellung im Jahr 1995 präsentierten die beiden Lager ihre Vorschläge für eine Film-CD, auf der einen Seite die Multimedia-CD von Sony und Philips, auf der anderen Seite die Super-Disc von Toshiba, Panasonic und zahlreichen anderen Herstellern. Der englische Journalist Barry Fox, immer schon ein Freund der klaren Aussprache, fragte da öffentlich: "Müsste nicht endlich einmal jemand kommen und eure Köpfe so lange gegeneinander schlagen, bis ihr zur Vernunft kommt?"
Betretenes Schweigen auf dem Podium, dann die eher kleinlaute Antwort: "Das hat gerade jemand getan." Die PC-Branche hatte auf einem Treffen am Rande der Messe ultimativ einen gemeinsamen Standard gefordert, sonst würde die Film-Disc nicht unterstützt. Das war die Geburtsstunde der DVD.
15 Jahre später wird es Zeit - nein, nicht für die Beerdigung. Man wird die DVD sicher noch lange für Spielfilme verwenden, trotz Blu-ray Disc. Aber braucht man sie noch als Videofilmer?
Nach einem kurzen Boom ist die DVD ganz als Aufnahmemedium in Camcordern verschwunden. Und für die bloße Speicherung des fertig geschnittenen Films ist sie eigentlich recht umständlich. Andere Datenträger, sei es eine Festplatte, ein USB-Stick oder eine Speicherkarte, brauchen kein spezielles Brennprogramm, ja nicht mal einen Assistenten, der am Schluss fragt: "Was wollen Sie jetzt tun?"
Und wenn man dann Pech hat, ist die Disc nicht richtig finalisiert, oder man hat den falschen Rohling erwischt oder das Brennprogramm falsch eingestellt oder … Jedenfalls gibt es tausend Gründe, warum eine Disc in irgend einem Player nicht läuft. Angesichts der Fülle an Fehlerquellen muss man sich immer wieder wundern, dass die meisten Scheiben doch in den meisten Geräten laufen.
Für den Transport des Films vom Arbeitsplatz ins Wohnzimmer kommt man jedenfalls inzwischen gut ohne DVD aus, auch ohne Blu-ray übrigens. Da ergibt die Vernetzung mittels Ethernet oder WLAN auch wirklich Sinn, siehe Seite 36. Daten muss man heutzutage nicht mehr von einem Raum in den anderen tragen.
In Zeiten, in denen Festplatten mit einem Terabyte für weniger als 100 Euro zu kaufen sind, muss man sich über die Archivierung auch keine großen Gedanken mehr machen. Und für den Preis einer Tankfüllung ist auch noch eine zweite Platte zur Datensicherung drin.
Wenn man seinen Mitmenschen einen Film zeigen will, ist die Disc meistens ebenfalls entbehrlich. Allerdings haben die wenigsten Haushalte schon eine Breitbandverbindung im Wohnzimmer und die Möglichkeit, auf Internet-Plattformen von Youtube bis Vimeo zuzugreifen - zumindest nicht über den Fernseher. Da ist die DVD weiterhin nützlich.
Und wer einen Film verschenken will, der muss ohnehin etwas in der Hand haben. Eine DVD mit schönen Cover, mit interessant gestalteten Menüs und guter Bildqualität macht einfach etwas her. Einen Link zu einer Webseite kann man schlecht als Geschenk verpacken.
Ganz ohne DVD werden wir also auch künftig nicht leben. Und die Blu-ray Disc ist für manche Anwendungen in HD-Qualität ebenfalls noch lange wichtig. Aber dass jeder Film wie selbstverständlich auf der Scheibe landen muss, das ist vorbei.
Der Beitrag zum Thema Netzwerk steht in Ausgabe 3-4/2010 von Videokamera objektiv. Hefte im Pressefachhandel oder zu bestellen im Abonnement oder als Probeheft (siehe linke Spalte).
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