Täuscht es mich, oder ging dieses Jahrzehnt wirklich schneller vorbei als andere? Freilich, wenn man zurückdenkt an die Jahrtausendwende, dann ist das auch wieder lange her.
Es ist eine ganze Menge passiert. So hat uns zum Beispiel die Wucht überrascht, mit der die Flat-TV-Welle über uns hereingebrochen ist. Es ist gerade mal ein paar Jahre her, da habe ich Prognosen von Röhrenherstellern gelesen, dass ihre Produkte noch bis 2015 die Mehrzahl der Fernseher ausrüsten würden. Die Manager, die das vorhergesagt haben, gingen mittlerweile sicherlich mit ordentlichen Abfindungen in den Ruhestand, die Mitarbeiter in die Arbeitslosigkeit.
Eine ähnliche Dynamik hat das Thema Flash entwickelt, also Speicherkarten und eingebaute Speicher. Dass heute noch Band-Geräte gebaut werden, liegt vor allem daran, dass die Produktionsanlagen dafür lange schon abgeschrieben und der Gewinn daher recht hoch sein dürfte. Noch schneller hat Flash die optischen Discs verdrängt, was auch mich überraschte ich hätte mit einer ganzen Reihe an Blu-ray-Camcordern gerechnet, aber das macht alles keinen Sinn mehr, wenn man 64 GB fest einbauen kann.
Den sicherlich größten Widerstand hatte HDTV zu überwinden, da es hier mit einer einmaligen Anschaffung nicht getan ist. Sender, Netzbetreiber und Gerätehersteller müssen zusammen arbeiten. Schon das eine oder andere Mal schien der Durchbruch bevor zu stehen, jedesmal zog es sich. Doch nun stehen alle Ampeln auf Grün, endlich auch in Deutschland.
Ab Februar 2010 werden alle wichtigen deutschen Sender hochauflösend zu empfangen sein, über Satellit und in immer mehr Kabelnetzen. Doch dann? Was kommt nach HDTV, nach flachen Fernsehern, nach Flash-Speicher?
Für mich ist die Antwort einfach: erstmal gar nichts. HDTV reicht aus, wenn wir uns mit Bildschirmen bis zwei Meter Diagonale zufrieden geben und das bin ich. Ob mein nächster Schirm nun acht, drei oder nur einen Zentimeter dick ist, das interessiert mich auch nicht besonders. Noch größerer, noch kleinerer Flash-Speicher ist auch nicht das, was dringend benötigt wird.
Die Herausforderungen sind vielmehr ganz anderer Art. Zuallererst wird es darauf ankommen, den Stromverbrauch unserer Technikspielzeuge einzudämmen, beim Auto mehr, beim Camcorder weniger, aber zumindest zugunsten längerer Laufzeit. Wenn wir uns 2020 guten Gewissens wieder sprechen wollen, müssen die Energie- und Materialkreisläufe geschlossen werden.
In Sachen Video brauchen wir nicht noch mehr Pixel, auch wenn derzeit die 4k-Auflösung von 3840 x 2160 ein großes Thema ist. Dringend wäre besserer Kontrast, mehr Durchzeichnung, damit das Bild eher dem entspricht, was wir vor Ort sehen. Und brauchen wir überhaupt noch Speicher? Man könnte ja, wenn demnächst die vierte Mobilfunk-Generation LTE in Betrieb geht, alle Daten gleich zentral auf einen Internet-Server ablegen.
Und 3D, das große Trendthema des Jahres 2010? Das wird uns weiterhin viel Spaß machen, es ist eine faszinierende Sache. 2020 wird es noch lange nicht im Massenmarkt angekommen sein, zumindest was alltägliches Fernsehen und Video angeht. Vielleicht täusche ich mich ja, aber spannend werden die nächsten Jahre ganz sicherlich.
Dieser Beitrag stammt aus der Ausgabe 1-2/2010 von Videokamera objektiv. Hefte im gut sortierten Pressefachhandel oder zu bestellen im Abonnement oder als Probeheft (siehe linke Spalte).
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